Die Magie von Licht und Schatten
Dass Scale Model Fotografie nicht kompliziert sein muss, beweist dieses Projekt. Mein Ziel war es, eine Harley-Davidson FLHTK Electra Glide Ultra Limited in einer alten, verlassenen Scheune zu inszenieren. Die besondere Herausforderung: Eine Lichtstimmung zu kreieren, bei der das Außenlicht durch die Bretterwände dringt und gezielte Lichtstrahlen vom Dach direkt auf das Chrom des Motorrads fallen.
Die Basis ist ein handelsübliches Modell aus der Spielzeugabteilung. Die Fertigung ist zwar realistisch, doch für ein echtes Foto wirkt der „Clean Look“ oft zu künstlich:
Patina: Die Chromteile glänzen im Original zu hell und plastisch. Mit schwarzer Aquarellfarbe habe ich den Motorblock abgedunkelt, um typische Öl- und Schmierreste zu simulieren.
Mattierung: Damit der Lack nicht zu kräftig und "neu" wirkt, habe ich einfache weiße Pastellkreide mit einem Pinsel aufgetragen. Das nimmt dem Modell die unnatürliche Sättigung und verleiht ihm eine glaubwürdige Staubschicht.
Für den Bau der Scheune kamen einfache Alltagsmaterialien zum Einsatz:
Wände: Ein alter Versandkarton diente als Basis. Mit dem Skalpell habe ich unregelmäßige Streifen geschnitten, um die durchlässige Holzstruktur einer alten Scheune nachzuahmen.
Gebälk: Die massiven Balken wurden aus Hartschaumplatten geschnitten und im Anschluß mit Acryl-/Aquarellfarbe angepinselt. Tipp: Da viele Kleber Hartschaum angreifen, habe ich hier einfaches Mauerband zur Fixierung genutzt.
Boden: In eine Hartschaumplatte ritzte ich eine Steinstruktur, malte diese mit Acrylfarben an und streute echten Sand sowie kleine Grasbüschel aus dem Fachhandel darüber, um die Textur zu perfektionieren.
Das Herzstück dieses Bildes ist das Licht. Hier habe ich mit verschiedenen Ebenen gearbeitet:
Hintergrundlicht: Ein LED-Strahler hinter der Kartonwand simuliert das helle Tageslicht außerhalb der Scheune.
Lichtmuster: Um die Reflexionen auf dem Boden zu erzeugen, habe ich zuerst eine gelöcherte Kartonplatte und später einzelne Kartonstreifen über das Modell gehalten und mit einer Taschenlampe angestrahlt. So entstehen die typischen „Licht-Streifen“ am Boden. Damit die Strahlen, die von oben herabfallen, sichtbar werden, kam eine Nebelmaschine zum Einsatz. Der feine Dunst fängt das Licht ein und macht den Weg der Photonen erst sichtbar.
Nach langem Experimentieren mit Brennweite und Perspektive fand ich schließlich die optimale Einstellung. Das Ergebnis ist ein stimmungsvolles „Scheunenbild“, das die Illusion eines lebensgroßen Motorrads perfekt macht.















